Gehört der „Struwwelpeter“
auf den Jugendschutz-Index verbotener Bücher?
Therapie der Liebe
Zum 200. Geburtstag von Heinrich Hoffmann
von
Anna von Hopffgarten
Freie Wissenschaftsjournalistin in Marburg
Man kennt ihn vor allem als Autor des "Struwwelpeter".
Doch Heinrich Hoffmann nannte etwas ganz anderes sein Lebenswerk: Der
Frankfurter Arzt gründete eine für damalige Verhältnisse
hochmoderne Psychiatrie.
Hoffmann vertrat diese moderne psychiatrische
Schule, er verabscheute Zwangsjacken und Isolierzellen.
"Es muß vor
allem so sein, daß der Eintritt des Arztes in eine Abteilung
etwas vom Sonnenaufgang an sich habe"
(Heinrich Hoffmann)
"Heinrich Hoffmann verfolgte eine
Therapie der Liebe", berichtet Zekorn-von Bebenburg. Diese Einstellung
veranlasste ihn, mit einem enormen Engagement für eine neue
psychiatrische Klinik zu kämpfen. Seine erste große Aufgabe
war es nun, Geld für einen Neubau zu sammeln. Der Arzt gründete
zu dem Zweck eine Bürgerinitiative, zerriss einen Stadtplan
von Frankfurt in kleine Schnipsel und verteilte sie unter die Leute.
Jeder sollte in dem ihm auf diese Weise zugewiesenen Teil der Stadt
so viel Geld wie möglich zusammentragen. Mehr dazu:
http://www.spektrumdirekt.de/artikel/995932
Wir sollten darüber nachdenken, ob
es neben dem römisch-katholischen Index der verbotenen Bücher
demnächst tatsächlich einen psychoanalytischen oder wissenschaftlich-moralisierenden
Index geben soll:
"Die Direktorin des Frankfurter Sigmund-Freud-Instituts, Marianne
Leuzinger-Bohleber , forderte zuletzt, das Buch aus den Kinderzimmern
zu verbannen: Vorschul- und Grundschulkinder verfügten nicht über die
Fähigkeit, sich von den sarkastischen und ironischen Übertreibungen
der Geschichten zu distanzieren, könnten verängstigt oder sogar traumatisiert
werden."
Mehr
dazu in merkur-online.de